Heute und morgen habe ich frei. Heute, weil Sonntag ist und morgen
weil da ein muslimischer Feiertag ist. Ist auch mal ganz schön.
Langsam kristallisiert sich auf der Arbeit auch raus was ich tun
soll.
Mein erstes Projekt ist eine recht detailreiche, große
Darstellung vom Potential der Solarenergienutzung in der Lake
Viktoria Region. Alles auf Englisch versteht sich.
Ich glaube wenn ich wiederkomme ist mein Englisch besser als mein
Swahili.
Ein Haus hab ich immer noch nicht. Ich wohne noch beim Chef. Mit
dem komm ich wirklich super klar. Ich werde auch oft zu Meetings, Feiern etc mitgenommen. Dort werde
ich dann meistens vorgestellt und alle freuen sich, wenn man ein paar
Brocken Swahili zum Besten gibt.
Gestern war hier eine Art regionaler Feiertag, der "Tag der
Alten". Man feiert die Alten Menschen für ihre Weisheit und
erinnert die jungen daran, dass die Alten es eben manchmal besser
wissen.
Solche Feiertage sind hier oft halb traditionell und halb
kirchlich.
Gestern war also anlässlich des Feiertages eine dreistündige
Messe. In der Messe wird wie bei uns gespendet. Allerdings sind die
Beträge hier vom Verhältnis her wesentlich größer. Außerdem hat
jeder einen Briefumschlag mit seinen Daten drauf, damit die Kirche
nachhalten kann wieviel jeder gespendet hat. Im Gegensatz zu der
einen Kollekte, die es bei uns gibt, gibt es hier mehrere Kollekten,
deren Bestimmung vorher angeagt wird. Die erste Kollekte für die
Kirche, die zweite für die Alten und die dritte für die Kinder.
Wenn jemand kein Geld hat, gibt er stattdessen eine Sachspende.
Manche spenden auch einfach so etwas. Deshalb gibt es nach der Messe
vor der Kirche einen riesigen Kreis aus allen Gemeindemitgliedern.
Die Sachspenden werden dann in einer Art Auktion versteigert, der
Erlös geht an die Kirche. Dabei wird oft mehr bezahlt als das ganze
Wert ist, weil es sich gleichzeitig um eine Spende handelt. Außerdem
wird oft mitgeboten und nachdem man den Artikel ersteigert hat,
verschenkt man den Artikel an einen der Anwesenden. Ich bin froh das
mein Chef einen großen Kofferraum hat, die Leute sind nämlich davon
überzeugt, das ich so ziemlich alles mal probieren sollte, deswegen
besitze ich jetzt Süßkartoffeln, Yams, Maniok, Ugali etc. in rauhen
Mengen, weil die Leute alle für mich gesteigert haben. Ich selbst
hab mich dann zur großen Freude der Anwesenden auch daran beteiligt
und hab für 3000TSH ein super-leckeres Brot und für 1000TSH
Schuhputzcreme ersteigert.
Swahili ist meistens erste Fremdsprache. Muttersprache ist die
Stammessprache. In Tansania gibt es ungefähr 60 Stämme und jeder
hat eine eigene Sprache, die sich allerdings teilweise deutlich vom
Swahili unterscheidet. In meiner Region in Bukoba , sowie eigentlich
im Großteil von Kagera (meinem district, kommt unserem Bundesland
gleich) ist der dominierende Stamm. Der Stamm der Haya,
dementsprechend wird viel Kihaya gesprochen, was ich aber nun gar
nicht verstehe. Zum Glück reden die meisten Leute Swahili oder
Englisch, wenn sie merken das ich kein Kihaya verstehe. Allerdings
werden Gespräche untereinander, Messen, Reden etc auf Kihaya
abgehalten was manchmal ziemlich ermüdend sein kann.
Ich kriege vermutlich Mitte der Woche meinen Motorradführerschein.
Dann wäre ich endlich mobil und könnte selbstständig zur Arbeit
fahren.
Mein Chef ist wirklich super. Er war schon öfters in Deutschland
und hat dadurch bedingt eine gewisse Toleranz gegenüber Dingen, die
andere Tansanier wohl schwierig finden würden. So sind zB meine
Tunnel hier ein Zeichen für den Stamm der Massaai. Ein Weißer mit
Tunneln wirkt befremdlich auf die Leute. Innerhalb der Familie des
Chefs wurde ich freundlich aufgenommen und werde auch als Sohn
bezeichnet. Ist wirklich angenehm und erleichtert einem in vielerlei
Hinsicht den Einstieg in die fremde Kultur.