Donnerstag, 13. September 2012

Bagamoyo


Bagamoyo ist ein kleines, hübsches Touristenörtchen direkt am Meer. Verglichen mit Bukoba erscheint mir vieles günstiger, trotz der Tatsache, das es eine Touristenstadt ist.
Der Strand ist wirklich wunderschön und an beiden Seiten von Mangroven gesäumt.

Heute bin ich am Strand entlang gewandert. Hab auf dem Weg in die Mangroven eine Haiflosse gefunden.

In den Mangroven selbst gibt es
viele verschiedene Tiere.
Zum Beispiel Schlammspringer,
Mangrovenkrabben, Einsiedlerkrebse
und Kugelfische.
Später hab ich dann noch einen Fischadler und eine Affenfamilie gesehen.
Meine Kamera hat den Härtetest mit Bravour bestanden und ich hab einige feine Unterwasservideos gemacht von Kugelfischen gemacht.
Da das hochladen von Videos ewig dauert und das Datenbundle enorm belastet, gibts die Videos hier leider nicht zu bestaunen....
Insgesamt ein toller Tag, wenn auch recht kühl, windig und teilweise regnerisch.

Mittwoch, 12. September 2012

Visafahrt


Ich bin gerade in Bagamoyo, eine Stunde von Dar es Salaam entfernt.

Ich bin von Bukoba nach Dar gefahren um meine „dauerhafte“ Aufenthaltsgenehmigung und gleichzeitig Arbeitserlaubnis, kurz Permit abzuholen.

Ganz so reibungslos wie geplant ist es dann natürlich doch nicht abgelaufen.
Mein erstes Mal beim Immigration Office lief folgendermaßen ab:

Ich war recht früh morgens da, zog an einem Automaten eine Nummer. War übrigens die Nummer 13, nur so am Rande.

Dann bin ich zum Schalter Nummer 12 gegangen, hab mich dort hingesetzt und gewartet.

Um den Anwesenden zu vermitteln, wer, wann, wo drankommt, gibt es ein mir unverständliches System auf einem Fernsehbildschirm, Lautsprecherdurchsagen auf Swahili und meinen anfänglichen Favoriten, eine digitale Anzeigetafel direkt über dem Schalter, auf dem die gezogene Nummer angezeigt wird.

Ich wartete also. Irgendwann kam dann die Nummer 12 an die Reihe, ich war bereits in freudiger Erwartung und blickte weiterhin gespannt auf die Tafel. Die Abfertigung der Nummer 12 dauerte etwas über eine Stunde. Dann erschien... Natürlich nicht die 12 sondern die 23!

Woraufhin ich zum Schalter ging und den unfreundlichen Herrn fragte, wie es sein kann das meine Nummer übergangen wurde. Er machte mir dann deutlich, das die Schuld bei mir liegen würde. Er hätte mich 3 mal ausrufen lassen. Ich erklärte ihm das ich kein Swahili kann und das meine Nummer nicht auf der Anzeigetafel erschienen wäre. Er meinte nur das wäre nicht sein Problem ich sollte eine neue Nummer ziehen und weiter warten.

Ich zog also eine neue Nummer, die 83 und wartete weiter. Zu diesem Zeitpunkt wartete ich bereits über 3 Stunden.

Nach einer knappen weiteren Stunde kam ein freundlicher, älterer Herr auf mich zu und fragte mich auf Englisch ob es Probleme gäbe, er wäre nach mir gekommen, wäre nun vor mir fertig und wie das denn sein könnte. Ich erklärte ihm dann was passiert war. Er wurde ziemlich sauer, ging zum Schalter und machte dort lauthals seinem Ärger Luft. Nach 10 Minuten wurde der Herr am Schalter gegen eine junge Dame ausgetauscht, welche sogar mit wesentlich weniger Wiederwillen bereit war mit mir Englisch zu sprechen. Nachdem ich mich bei dem freundlichen Herrn bedankt hatte, fing dann also der eigentliche Permit-Prozess an.

Dauert natürlich erwartungsgemäß noch etwas. Ich solle am Mittwoch wiederkommen. Auf meine Erwiederung, das das ja etwas lange wäre wurde dann plötzlich Montag draus. Ich soll also Montag zum Immigration Office kommen, meine Permit bezahlen und dann mitnehmen.
Ich bin gespannt ob das so reibungslos klappt wie beschrieben. Aufgrund vorangegangener Erfahrungen bin ich da eher skeptisch.

Montag, 3. September 2012

Festreport.


Gestern war ich beim „Torchlight-Festival“. Anlass ist die tansanische Unabhängigkeit. Laut „Legende“ ist nach der Unabhängigkeit ein Tansanier mit eine Fackel auf den Kilimanjaro gestiegen und dort oben für 2 Jahre geblieben. Die Fackel konnte man in ganz Tansania sehen und alle haben sich gefreut.
Deswegen wird jedes Jahr in einer andere Stadt eine Fackel entzündet. Die Fackel wird dann von einem Komitee durch ganz Tansania getragen und jeden Abend wird in einer anderen Stadt gefeiert.

Gestern ist die Fackel in Bukoba angekommen. Als wir auf dem Festgelände ankamen war es bereits brechend voll. Es gab eine Art Tribüne in U-Form und zwischen den U-Schenkeln stand die Fackel, die von einem Militärkomitee bewacht wurde.

In der Mitte stand der „high-table“ wo die wichtigsten Persönlichkeiten wie zB der Komitee-Leiter oder der district commisioner sitzen. Je weiter man vom „high-table“ entfernt sitzt, desto unwichtiger ist man. Die meisten Leute müssen allerdings außerhalb der Absperrung bleiben, die die Tribüne umgibt.

Auf dem Platz in der Mitte stand ein Moderator der eine Art Tanzwettbewerb leitete. Es gab Tanzwettbewerbe in verschiedenen Kategorien. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Alte. Jeweils männlich und weiblich getrennt.

Das Voting erfolgte durch die Zuschauer. So wurde über mehrere Runden aussortiert, bis die Top 3 feststand. Diese bekamen vom district commisioner als Belohnung Geld überreicht.

Zwischendrin war eine Stunde Pause, in der das Komitee und eine andere wichtige Leute mit Essen versorgt wurden. Beim Essen ist dann der Strom ausgefallen, sodass alle im Dunkeln, mit Handy-Lampen gegessen haben.

Sehr gefallen hat mir die Art des district commisioners. Die Dame hat ein ähnliches Amt inne, wie bei uns ein Landesminister und ist sich trotzdem nicht zu schade, mit den einfachen Leuten zu sprechen oder bei bedarf auch mal selbst mit anzupacken.

Bei einem Gespräch habe ich ihr genau das auch mitgeteilt, was sie sehr gefreut hat.

Jetzt bin ich eingeladen sie in ihrem Büro zu besuchen. Bin mal gespannt ob ich dazu irgendwann mal die Zeit finden.

Das Festival war an einem Sonntag und ging bis Montagmorgen um 7Uhr.

Viele Leute sind also direkt vom Fest-Gelände zur Arbeit gegangen.

Da hier allerdings bei der breiten Masse das Arbeitspensum, bedingt durch eine andere Arbeitsmoral als wir sie in Deutschland kennen , recht gering ist, stört das wohl niemanden.

Samstag, 1. September 2012

Beerdigung


Heute wurde die Mutter von einem tansanischen Bischof beerdigt. Die Dame hatte ich erst knappe 2 Wochen vorher kennengelernt, was das Ganze etwas surreal erschienen ließ. Allerdings hatte sie auch mit, laut Angabe, das muss nicht immer stimmen, 93 ein gesegnetes Alter erreicht. Die Beerdigung findet beim Haus der Verstorbenen statt, da sie auch hier beerdigt wird. Es gibt keine öffentlichen Friedhöfe, sondern jedes Haus, bzw jede Familie hat ihren eigenen Friedhof.
Es waren sehr viel Gäste da, unter anderem auch eine Menge afrikanische Bischöfe. Als wir ankamen, waren schon geschätzte 300 Leute da. In der Mitte stand ein wirklich schöner Sarg, das vordere Drittel war aufgeklappt, sodass man die Tote sehen konnte. Auf dem Sarg stand ein Bild der Toten und vor dem Sarg stand ein, ich vermute mal, Messdiener der das Kreuz hielt, welches später auch ihr Grab markieren würde. Jeder ankommende Gast, geht in die Mitte und geht einmal um den Sarg herum, dabei wird gebetet. Manche berühren die Tote dabei auch. Gefühlsmäßig handelt es sich dabei aber nur um wirklich nahestehende Personen. Anschließend geht man zu einem Platz und setzt sich oder muss eben stehen. Dann ging eine Art Messe los, viele Leute sagten was über die Tote und sprachen der Familie ihr Beileid aus. Dabei wurde auch öfters mal gelacht. Trauerstimmung ist also nicht unbedingt angebracht. Auch spielen viele Leute während der Zeremonie mit dem Handy herum und/oder machen Fotos/Videos von der Zeremonie und auch vom Sarg mit der Toten, was auf mich ein wenig befremdlich wirkte. Von der Zeremonie aus geht dann der Trauerzug 50 Meter weiter zum Grab, die Beerdigung selbst findet dann auch nochmal zeremoniell statt, dabei wird viel gesungen. Insgesamt eine interessante, aber eben auch merkwürdige Erfahrung.

Donnerstag, 30. August 2012

Erste Erfahrungen mit der Politik in Tansania


Heute war ich auf einer Art Parteitag der CCM. Die CCM ist die regierende Partei Tansanias, die auch den Präsidenten Kikwete stellt. Mitgenommen hat mich ausnahmsweise mal nicht mein Chef, sondern ein Kollege aus dem Büro. Ich ging anfangs davon aus das wir arbeitsbedingt unterwegs waren. Missverständnisse sind beim Englisch-Swahili-Gemisch zwar nicht unüblich. Aber da besagter Kollege für das Amt eines Ward Counselors kandidiert, könnte ich mir gut vorstellen, das das Missverständnis gewollt war.
Das Treffen selbst fand in einer Schule statt, die zu diesem Zweck mit Bänken vollgestellt und entsprechend dekoriert wurde. Gelb-Grün, die Farbe der CCM.

Vorne war eine kleine Bühne aufgebaut auf der Parteifunktionäre, Bewerber für politische Ämter und eben ich saßen. Der Rest saß auf Bänken. Geschätze 800 Leute in der Schulhalle und weitere Leute die an den Fenstern und Türen standen.

Wie in Tansania üblich stellten sich zu beginn erstmal die Parteifunktionäre vor. Später folgten dann die Kanidaten für diverse Ämter. Und wie könnt es anders sein, ich sollte mich natürlich auch vorstellen. Was sich mit meinen mangelnden Swahilikenntnissen als schwierig herausstellte. Mein Kollege übersetzte also was ich ihm auf Englisch diktierte. Nach wenigen Sätzen, gab mir die Menge lauthals zu verstehen, das ich doch bitte selbst sprechen sollte. Ich stellte mich also mit einer Mischung aus Englisch und Swahili vor und setzte mich wieder hin. Natürlich nicht ohne vorher euphorisch beklatscht zu werden und allen auf der Bühne anwesenden Personen die Hand geschüttelt zu haben. Als Weißer ist man halt was besonderes und erfährt gerade bei solchen Veranstaltungen einen gewissen Prestige.

Auch interesant sind die „Uniformen“ der Parteifunktionäre. Da man adidas-Anzüge praktischerweise in allen Farbkombinationen bestellen kann, laufen die wichtigen Leute mit Gelb-Grünen adidas-Anzügen herum!

Sonntag, 19. August 2012

Zwischenstand.


Heute und morgen habe ich frei. Heute, weil Sonntag ist und morgen weil da ein muslimischer Feiertag ist. Ist auch mal ganz schön.
Langsam kristallisiert sich auf der Arbeit auch raus was ich tun soll.
Mein erstes Projekt ist eine recht detailreiche, große Darstellung vom Potential der Solarenergienutzung in der Lake Viktoria Region. Alles auf Englisch versteht sich.
Ich glaube wenn ich wiederkomme ist mein Englisch besser als mein Swahili.
Ein Haus hab ich immer noch nicht. Ich wohne noch beim Chef. Mit dem komm ich wirklich super klar. Ich werde auch oft zu Meetings, Feiern etc mitgenommen. Dort werde ich dann meistens vorgestellt und alle freuen sich, wenn man ein paar Brocken Swahili zum Besten gibt.
Gestern war hier eine Art regionaler Feiertag, der "Tag der Alten". Man feiert die Alten Menschen für ihre Weisheit und erinnert die jungen daran, dass die Alten es eben manchmal besser wissen.
Solche Feiertage sind hier oft halb traditionell und halb kirchlich.
Gestern war also anlässlich des Feiertages eine dreistündige Messe. In der Messe wird wie bei uns gespendet. Allerdings sind die Beträge hier vom Verhältnis her wesentlich größer. Außerdem hat jeder einen Briefumschlag mit seinen Daten drauf, damit die Kirche nachhalten kann wieviel jeder gespendet hat. Im Gegensatz zu der einen Kollekte, die es bei uns gibt, gibt es hier mehrere Kollekten, deren Bestimmung vorher angeagt wird. Die erste Kollekte für die Kirche, die zweite für die Alten und die dritte für die Kinder.
Wenn jemand kein Geld hat, gibt er stattdessen eine Sachspende. Manche spenden auch einfach so etwas. Deshalb gibt es nach der Messe vor der Kirche einen riesigen Kreis aus allen Gemeindemitgliedern. Die Sachspenden werden dann in einer Art Auktion versteigert, der Erlös geht an die Kirche. Dabei wird oft mehr bezahlt als das ganze Wert ist, weil es sich gleichzeitig um eine Spende handelt. Außerdem wird oft mitgeboten und nachdem man den Artikel ersteigert hat, verschenkt man den Artikel an einen der Anwesenden. Ich bin froh das mein Chef einen großen Kofferraum hat, die Leute sind nämlich davon überzeugt, das ich so ziemlich alles mal probieren sollte, deswegen besitze ich jetzt Süßkartoffeln, Yams, Maniok, Ugali etc. in rauhen Mengen, weil die Leute alle für mich gesteigert haben. Ich selbst hab mich dann zur großen Freude der Anwesenden auch daran beteiligt und hab für 3000TSH ein super-leckeres Brot und für 1000TSH Schuhputzcreme ersteigert.
Swahili ist meistens erste Fremdsprache. Muttersprache ist die Stammessprache. In Tansania gibt es ungefähr 60 Stämme und jeder hat eine eigene Sprache, die sich allerdings teilweise deutlich vom Swahili unterscheidet. In meiner Region in Bukoba , sowie eigentlich im Großteil von Kagera (meinem district, kommt unserem Bundesland gleich) ist der dominierende Stamm. Der Stamm der Haya, dementsprechend wird viel Kihaya gesprochen, was ich aber nun gar nicht verstehe. Zum Glück reden die meisten Leute Swahili oder Englisch, wenn sie merken das ich kein Kihaya verstehe. Allerdings werden Gespräche untereinander, Messen, Reden etc auf Kihaya abgehalten was manchmal ziemlich ermüdend sein kann.
Ich kriege vermutlich Mitte der Woche meinen Motorradführerschein. Dann wäre ich endlich mobil und könnte selbstständig zur Arbeit fahren.
Mein Chef ist wirklich super. Er war schon öfters in Deutschland und hat dadurch bedingt eine gewisse Toleranz gegenüber Dingen, die andere Tansanier wohl schwierig finden würden. So sind zB meine Tunnel hier ein Zeichen für den Stamm der Massaai. Ein Weißer mit Tunneln wirkt befremdlich auf die Leute. Innerhalb der Familie des Chefs wurde ich freundlich aufgenommen und werde auch als Sohn bezeichnet. Ist wirklich angenehm und erleichtert einem in vielerlei Hinsicht den Einstieg in die fremde Kultur.

Dienstag, 14. August 2012

Karibu Tansania!


Am 31. Juli bin ich Abends in Frankfurt in ein Flugzeug gestiegen und nach Addis Abeba geflogen. Fliegen ist übrigens absolut super! =)
In Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthopien hatten wir einen längeren Zwischenstop bevor wir weiter nach Dar es Salaam geflogen sind.
 
Die erste Hürde in Tansania war das Touristenvisum. Nachdem wir alle unser Touristenvisum hatten, sind wir draußen vor dem Flughafen von 2 Freiwilligen vorrangegangener Ausreisejahrgänge in Empfang genommen worden.
 
Vom Flughafen aus gings in 2 Mietwagen zur Mbagala Mission, welche für die nächsten 3 Tage unser Zuhause war. In diesen 3 Tagen schnupperten wir die erste tansanische Luft, lernte unsere ersten Worte Kiswahili und kauften das erste Mal ein.
 
Nach 3 Tagen fuhren wir mit einem öffentlichen Bus nach Mlalo. Dort absolvierten wir unseren eigentlichen Kiswahili-Sprachkurs.
 
Wir schloss mich ab dem 2. Tag leider nicht mehr mit ein, da ich auf einer Wanderung unvernünftigerweise Flusswasser getrunken hatte, was mich für 3 Tage völlig außer Gefecht gesetzt hat und dessen Nachwirkungen ich bis heute noch spüre.
 
Nach 7 Tagen in Mlalo haben wir uns in kleinere Gruppen aufgeteilt und jede kleine Gruppe wurde von einem erfahrenen Freiwilligen in ihre jeweilige Einsatzstelle gebracht.
 
Gestern am 13. August kamen wir nach über 30 Stunden Fahrt in Bukoba, meiner Einsatzstadt an.
Heute habe ich noch 2 andere Freiwillige in ihre jeweiligen Einsatzstellen bei mir in der Nähe begleitet.
Morgen geh ich zum ersten Mal in mein Büro. Bin mal gespannt was mich da erwartet.